Gomel

Seit 22 Jahren helfen wir kontinuierlich in der Tschernobyl-Zone.

Aktueller Bericht von 2012 hier...

Seit 1989 reisen Menschen aus unserer Kirchengemeinde jährlich nach Gomel in Weissrussland und liefern dringend benötigte Medikamente für die Kinderhämatologie-station der Republikanischen Zentrums für Strahlenheilkunde in Gomel.

In der Hauptsache handelt es sich um Immun- globuline und Medikamente gegen Pilze und Erbrechen während der Krebsbehand-lung, die in Weissrussland nicht hergestellt werden.

Weiterhin unterstützen wir die unabhängige Elterninitiative vor Ort, in der sich betroffene Eltern zusammen gefunden haben. Hier werden Feiern und Be-schäftigungspro-gramme für die betroffenen Kinder und Jugendlichen organisiert und bedürftige Kinder erhalten an Weih-nachten dringend benötigte Lebens-mittelpakete mit gesunder, unverstrahl-ter Nahrung.

Unsere Medikamente sind hochwertige, in Deutschland zugelassene Präparate, die wir auf Anforderung der dortigen Ärzte über die Organisation DIFÄM beziehen. Sie werden von uns im Fluggepäck mitgeführt und bis in die Zollstelle des Airport Minsk begleitet, von wo zwei Tage später die Abholung durch die Klinik erfolgt. Die Behandlung erfolgt nach standardisier-ten Regeln, die auch bei uns gelten. Mehrfach sind Ärzte aus Gomel auf unsere Einladung hin Deutschland zu Fortbildungen gewesen. Oft jedoch sind die Therapien abhängig von verfügbaren Medikamenten und müssen verschoben werden.

Im Jahr 2011 konnten wir für knapp 15000 € Medikamente liefern, die aus Spendenmitteln finanziert waren. Sämtliche Verwaltungskosten werden durch die Kirchengemeinde getragen, die Flugtickets sind selbst finanziert.

Tschernobyl 25 Jahre nach dem Supergau:

eine tickende Zeitbombe wenige Kilometer südlich von Gomel. Etwa 80 Prozent des radioaktiven Fallouts der Katastrophe von Tschernobyl ging auf dem Staatsgebiet des heutigen Belarus nieder.

Ein Drittel der Fläche Weissrusslands ist radioaktiv belastet, in der Hauptsache die Gebiete um die Stadt Gomel. Weite Gebiete sind gesperrt und dürfen nur mit Sondererlaubnis unter Aufsicht betreten werden. Heute noch leben viele Evakuierte unter sehr beengten Verhältnissen in Gomel. Die Stadt hat heute 400000 Einwohner.

In den Sperrgebieten leben vereinzelt ältere Menschen ohne Strom und Wasser, alle anderen Häuser wurden abgerissen. Sobald jemand ein Haus in den kritischen Zonen verlässt, werden diese ebenfalls abgerissen, um Neuansiedlungen zu verhindern. Trotzdem wird aus Not und Gewohnheit immer wieder gefischt, gejagt und heimlich auch für den Verkauf an- gepflanzt, ob-wohl auf Be-lastungen unter sucht wird.

Leben in Belarus:
Der Alltag der Menschen ist wieder beschwerlicher geworden. Neben den Gefahren der Radioaktivität bleibt die politische Lage schwierig. Die Regierung unterdrückt die freie Meinungsbildung und hält Statistiken zu Krankheitsraten und der Lebenssituation unter Verschluss. Mehrmalige Abwertungen des Rubels haben Menschen mit durchschnittlichen Einkommen wieder an den Rande des Existenzminimums gebracht. Viele Menschen gehen in ihrem Urlaub nach Russland arbeiten, um Devisen zu erlangen.

Die meisten Menschen sind auf die Erträge der Datschen angewiesen, da die regulären Einkäufe nicht mehr bezahlbar sind.

Dem Durchschnittsverdiener stehen 200 bis 300 US- Dollar zur Verfügung, wäh-rend die Preise für Gebrauchsgüter über unserem Niveau liegen.

Ein Paket Einwegwindeln kostet derzeit 40 USD oder ein Liter Speiseöl mindestens einen Euro. So sind die zaghaften Fortschritte der letzten Jahre durch die Wirtschaftskrise wieder zunichte gemacht worden, es steht in Belarus ein harter Winter bevor. Die Erkrankung eines Kindes stellt Familien deshalb schnell vor grosse Probleme.

Verantwortlich: Ingrid Helmbold, Frieda Schöttle, Gaby Strack, Steffen Hinkelmann und Pfr. Joachim Schuh
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